Kommunikative Statusspiele auf der Wippe


Für zahlreiche Kinder und Jugendliche ist das Aufwachsen in unserer Gesellschaft eine wackelige Angelegenheit geworden. Trotz aller Offenheit und liberaler Entwicklung, zeichnen sich die Möglichkeiten Jugendlicher gleichzeitig durch Verknappung aus.
Sowohl die angemessene Sicherung einer materiellen Basis, als auch die Entwicklung dauerhafter und belastbarer Beziehungen, sind für viele Kinder und Jugendliche nicht mehr selbstverständlich. Die Verlockungen der modernen Gesellschaft mit ihren erweiterten Informations- und Konsummöglichkeiten prägen den Jugendalltag.

Diese Verlockungen können jedoch nur “genossen” werden, wenn Ausgrenzung und Verknappung nicht zu bestimmenden Merkmalen des Lebens werden. Der Verdrängungswettbewerb in den Bildungsabschlüssen, Arbeitslosigkeit, Konsumzwang, aber auch zerrüttete Familien können Jugendliche schnell an den Rand der Gesellschaft bringen.

Für junge Menschen kann die Widersprüchlichkeit zwischen Verheißung und Verknappung tragisch sein. Zwangsläufig wurde Selbstbehauptung zum zentralen Orientierungsmuster der Identitätsentwicklung vor allem männlicher Jugendlicher.

Eigneten sich junge Menschen früher mehrheitlich Identität über die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und deren gemeinsamer Merkmale an, so ist dies heute nicht mehr entscheidend. Nicht mehr Gemeinsamkeit, sondern die Einzigartigkeit in Abgrenzung zu den Anderen ist oftmals Kriterium zur Persönlichkeitsentwicklung. Da Jugendliche für eine längere Zeit von den gesellschaftlich relevanten Bereichen, hier vor allem von der Arbeitswelt, ferngehalten werden, sowie Schule und Medien lediglich ausschnitthafte Wirklichkeitserfahrungen vermitteln, findet der Prozess der Persönlichkeitsfindung vor allem in der peer-group während der Freizeit statt. Freizeit ist der zentrale Ort der Wirklichkeit für Jugendliche. Hier müssen sie unter extremen Konkurrenzbedingungen ihren Status finden.

Im Etymologischen Wörterbuch des Deutschen wird Status (lat. status) als Stehen, Stand, Stellung, Geburt und gesellschaftlicher Rang definiert. Status als ein überdauernder, anhaltender Zustand eines Menschen. Ähnlich wie bei Erwachsenen, verbergen sich bei männlichen Jugendlichen dahinter Vorstellungen wie Durchsetzung, Souveränität, Erfolg und Sicherheit.

In unserer konfrontativen Arbeit wird Status nicht mit dem gesellschaftlichen Rang gleichgestellt, sondern unter theater-pädagogischen Gesichtspunkten betrachtet. Status wird situations- und prozessorientiert gesehen. K. Johnstone (vgl. Johnstone 1993) definiert Status aus der Sicht des Schauspiellehrers situations- und prozessorientiert. Er versteht darunter das, was jemand tut und nicht das, was jemand ist. Mit dem Prinzip der Wippe “Ich geh rauf und du gehst runter” beschreibt er meisterhaft das Spiel zwischen Hoch- und Tiefstatus, dass alle Menschen ständig und überall spielen. Jeder beherrscht dieses Spiel mehr oder weniger gut. Selbst Könige, Fürsten und Präsidenten spielen es.

Kommunikativer Status

Status in der Theaterarbeit beschreibt ein soziales, momentanes und damit vorübergehendes Niveau. Es die Art und Weise, in der wir unseren eigenen Wert zu anderen Menschen in Beziehung setzen.

Wir platzieren uns beständig auf einer Werteskala im Verhältnis zu unserer Umgebung, nehmen dabei aber keinen festen Platz auf der Werteskala ein.
Der Wechsel unseres Status und unseres Verhaltens hängt von dem jeweiligen Kontext ab in dem wir uns befinden. Bei einem Einstellungsgespräch ist unser Status ein anderer als bei unseren Freunden in der Stammkneipe.
Beobachten Sie die Statusspiele, wenn sie mit Menschen zusammenkommen.
Versuchen sie festzustellen, wer die höchste soziale Position einnimmt. Wer verhält sich entsprechend eines hohen bzw. eines niedrigen Status? Wer füllt den Raum im Lokal aus und wer fällt auf seinem Stuhl förmlich zusammen?
Hoher und niedriger Status sind nicht gleichbedeutend mit sympathisch und unsympathisch oder gar Gut und Böse. Sowohl Personen mit hohem als auch solche mit niedrigem Status können freundlich oder unfreundlich sein.
Für jedes Statusextrem gibt es eine Reihe physischer Kennzeichen. Beherrscht man sie, dann kann man rein körperlich die ganze Werteskala auf- und abgleiten.
Einige Personen drücken unbewusst immer einen hohen Status aus, andere einen niedrigen. Das wird immer durch den Körper sichtbar, ohne dass man darüber nachdenkt (vgl. Andersen, 1996).

Unbewusst rechnen wir immer mit Statusunterschieden.

Immer wenn Menschen zusammenkommen findet ein Statuscheck bzw. ein Statusabgleich statt. Beim Einstieg in die Straßenbahn, beim Betreten des Wartezimmers, beim Arzt und auf dem Bahnsteig zwischen den Reisenden. Wir signalisieren permanent unseren Platz in der Hierarchie, indem wir gegenüber anderen einen höheren oder niedrigeren Status einnehmen. Der eigene Status wird immer in der Beziehung/Relation zu Anderen gestaltet.
Handlungs- und situationsorientierte Statusunterschiede sind häufig nur sehr gering und erst bei genauer Beobachtung wahrnehmbar.
Die Motivation Statusspiele zu spielen ist bekannt. Der Wunsch nach Hochstatus entspricht dem Grundbedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz.
Es ist ein spezifisch menschliches Bedürfnis, das in der wissenschaftlichen Forschung von zahlreichen Autoren an die oberste Stelle der menschlichen Bedürfnisse eingeordnet wird.

„People want to feel good about themselves. They want to believe that they are competent, worthy, and loved by others (Self-enhancement – Selbstverbesserung)”
(Brown, J. D., 1993, S. 117 – Motivational conflict and the self: in Klaus Grawe, Neuropsychotherapie, 2004)

In der Psychotherapie ist hier an erster Stelle Alfred Adler zu nennen. Er sah das Streben nach Überwindung eines Minderwertigkeitsgefühls als wichtigste Motivationsquelle des Menschen an. Jeder Mensch möchte gut dastehen, anerkannt, erfolgreich sein, und respektiert werden. Ob sich jeder immer und überall daran beteiligen muss, hängt vor allem von der Souveränität und der Selbstsicherheit der Person ab.

Patienten im Wartezimmer der Arztpraxis spielen häufig mit ihren Krankheiten Statusspiele.
Frau Müller sagt:

“Heute Morgen ging es mir mit meinen Gliederschmerzen derartig schlecht, dass ich kaum aus dem Bett kam. Ich habe mir von der Sprechstundenhilfe sofort einen Termin geben lassen und bin sofort hierher.”

Frau Meier erwidert darauf:

“Ach wissen Sie, mit meiner Bandscheibe ging’s heute überhaupt nicht mehr. Um zum Arzt zu kommen musste ich mir ein Taxi rufen und zu guter letzt kam ich wegen meiner Schmerzen kaum aus dem Wagen raus.”

Frau Meier versuchte Frau Müller mit ihrer Krankengeschichte zu übertrumpfen.
Der höhere Status wird in Haltung, Gestik und Mimik offenbar. Die Mehrzahl der Menschen mit tatsächlichem und souveränem Hochstatus / ein Balanceakt bis zur Arroganz) redet nicht viel. Kleinigkeiten machen den wirklichen Status aus.
Im Theater erkennt man den König nicht an der Krone, sondern am Verhalten der Untertanen. Faszination und Spannung entsteht eher bei kleinen, kaum wahrnehmbaren Statusunterschieden der Schauspieler.

Im Statusspiel ist es allerdings auch möglich, dass Menschen mit einem offensichtlich hohen und anerkannten Status sich in Wirklichkeit im Tiefstatus befinden. Entscheidend ist die Bewertung die der Betrachter vornimmt.
Prominente wie der Wimbledon-Sieger Boris Becker oder der Fußballprofi Lothar Matthäus, zwei Menschen mit vordergründig äußerem Hochstatus, ernten immer wieder durch absurde und peinliche Auftritte tatsächlich Tiefstatus.
Ein ähnliches Statusmuster inszenieren reiche Industrielle alljährlich beim Wiener Opernball. Um den eigenen Status zu erhöhen, ‘kauft’ man sich für die eigene Loge einen besonderen Stargast ein.
Vernunftbegabte kommen zu dem Ergebnis, dass sich der Industrielle und der Stargast tatsächlich im Tiefstatus befinden und sie sich eher zum Narren machen. Könige und Adelige umgaben sich mit Zwergen, Hofnarren und Krüppeln um die eigene Größe herauszustellen.

In der Literatur und in Filmen jeden Genres, machen geschickt inszenierte Wechsel zwischen Hoch- und Tiefstatus die Qualität aus. Als Zuschauer oder Leser lieben wir Spannung, Thrill und Komik die durch den Statuswechsel entstehen. Die Könige und Kaiser im Mittelalter duldeten, dass sie sich durch Witz und Einfallsreichtum des Hofnarren für einen Moment im Tiefstatus befanden. Natürlich durfte dieser Zustand nie lange anhalten. Der Hofnarr hätte seinen Kopf riskiert.
Im Hollywood Film „Der Gladiator“, (2000, Regie Ridley Scott), gibt es zwei zentrale Szenen, in denen die Annäherung großer Statusunterschiede zwischen zwei Menschen wunderbar gezeigt werden.

Im Mittelpunkt des Filmes steht der erfolgreiche und hoch geschätzte römische Feldherr Maximus Decimus Meridius zur Zeit des Kaisers Mark Aurel. Mark Aurel sieht sein Ende nahen und möchte dem Volk „Rom“ wieder zurückgeben, also das Kaisertum abschaffen und die Republik wiederherstellen. Diese Aufgabe will er Maximus übergeben, ihn gleichsam als Nachfolger ausersehen. Mark Aurels Sohn Comodus wird ins Feldlager nach Germanien gerufen und erfährt dort von seinem Vater, dass er nicht Thronfolger werden soll. Darüber bitter enttäuscht, erstickt Commodus seinen Vater, bemäntelt dessen Tod als „natürlich“ und erhebt sich selbst zum römischen Kaiser. Maximus aber verweigert Commodus die Gefolgschaft, weil er Commodus’ Taten, den Mord am Vater und den Verrat am römischen Volk, erkennt.
Commodus befiehlt daraufhin die Hinrichtung bzw. Ermordung von Maximus und seiner Familie. Aber Maximus kann die Prätorianer überwältigen, wird beim Kampf verletzt und flüchtet nach Hause. Dort angelangt findet er seine Frau und sein Kind gekreuzigt und sein Haus niedergebrannt vor. Nachdem er seine Familie begraben hat, verliert er schwer verletzt die Besinnung. Händler nehmen ihn mit, verschleppen ihn nach Afrika und verkaufen ihn als Sklaven an eine Gladiatorenschule. Als Gladiator ist er ebenso erfolgreich wie als Feldherr. Unter dem Pseudonym Spanier erwirbt er sich rasch den Respekt seiner mitkämpfenden Gladiatoren sowie die Begeisterung der Massen. Die Gladiatorentruppe wird nach Rom engagiert. Dort kommt es in der Arena unter den Augen des Publikums, zu zwei Begegnungen zwischen Kaiser und Gladiator (Sklave) in der sich die Statuslage für einen kurzen Moment komplett dreht. Der Kaiser im Tiefstatus, der Sklave Maximus Decimus Meridius im Hochstatus. Das Publikum in der Arena und wir Besucher im Kino lieben diese Momente.

(vgl. www.wikipedia.de.wikipedia.org/wiki/Gladiator)

Die kommunikative Statuswippe zwischen Kaiser und Gladiator steht als Metapher für die Konflikte zwischen Schüler, Schülerinnen und den Unterrichtenden. Lehrkräfte durch Provokationen, Verweigerungen, Regelverletzungen und Unterrichtsstörungen in den Tiefstatus zu bringen, stellt für viele Schüler eine lohnende Herausforderung dar, bringt es doch bei den Mitschülern Anerkennung und Hochstatus ein.
Eine junge Lehrerin an einer Hauptschule bekam von einem ihrer Schüler folgende Sätze zu hören.
„Jede Lehrerin ist nur so gut wie ihre Bücher. Und Sie haben „scheiß Bücher“.
Die junge Frau empfand dies als Angriff und reagiert mit Zorn und Geschrei. Der Schüler musste mit großem Getöse und unter Beifall seiner Mitschüler die Klasse verlassen.
Die Lehrerin verlor ihre Souveränität, wurde laut und gab in diesem Moment ihren Status als Führungskraft auf. „Den König erkennst du nicht an der Krone, sondern am Verhalten der Untertanen“.

Ein Beispiel für den Statusverlust als Führungskraft stellte der Platzverweis vom BVB-Trainer Jürgen Klopp in der Begegnung SSC Neapel gegen Borussia Dortmund vor einigen Jahren dar. Schon häufiger stieg Jürgen Klopp auf die Statuswippe und verlor die Kontrolle. In diesem konkreten Fall in Neapel wirkte sein Auftritt äußerst furchterregend. Die Bilder gingen durch die Medien. Die Souveränität einer Führungskraft sieht anders aus.

AAT-Trainerinnen und CT-Trainerinnen sind im Umgang mit Kindern und Jugendlichen Führungskräfte.
Lehrkräfte sind im Umgang mit Schülerinnen und Schülern Führungskräfte.
Führung bedeutet Eindeutigkeit, Klarheit und Vision (Ziel).
Jürgen Klopp hat seine Ziele aus den Augen verloren. Er wollte seine Mannschaft mit Souveränität und Gelassenheit zum Sieg führen. Nach dem Platzverweis lief das Dortmunder Spiel aus dem Ruder.

Ein anderes Beispiel aus dem Fußballgeschäft ist das Verhalten von Rudi Völler im Interview mit der Sky-Fußballmoderatorin Jessica Kastrop (heute verh. Jessica Libbertz).
Diese stellte Rudi Völler, Manager von Bayer Leverkusen, kritische Fragen zu Trainer Schmidt. Sie blieb beharrlich obwohl Rudi Völler ausweichend reagierte.
Daraufhin kanzelte er die Journalistin mit einer chauvinistischen Geste ab. Er rang sich zu einem onkelhaft-überheblichen „OK“ durch, tätschelte die Moderatorin zwei Mal am Arm und wandte sich dann einfach dem Sky-Experten Erik Meijer zu: „Erik, hast du noch was zu sagen?“
Und das, obwohl Frau Kastrop die Gesprächsleitung hatte.

Völler inszenierte eine doppelte Statusabwertung. Berührungen sind immer statussenkend, sind Hierarchisierungsmittel. In diesem Fall hieß die heimliche Botschaft „kleines dummes Mädchen, rede du mal. Anschließend erteilte er Eric Meijer, dem „Taktikfuchs“ von Sky das Wort. Frau Kastrop ging nicht auf die Statuswippe ein und blieb gelassen.

https://www.youtube.com/watch?v=AGUfVQHUVAw

Donald Trump, der US-amerikanische Ex-Präsident ist der verrückteste Statusspieler der Neuzeit. Man lernt enorm viel über Status, wenn wir uns seine öffentlichen Auftritte anschauen. In seiner Körpersprache ähnelt er sehr unseren klassischen Gewalttätern. Zu sehen bei youtube.

Gehe nicht auf die Statuswippe!! Bleibe im Konflikt antiseptisch.
Hierzu wird Authentizität, Klarheit und Eindeutigkeit unter Beibehaltung der Durchsetzungsfähigkeit verlangt, die in eine nichteskalierende Beharrlichkeit mündet.

Je nach Lebenshintergrund ist diese Aussage für Kinder und Jugendlichen eine riesige Herausforderung. Viele konnten es in den Familien, der Schule und in den Einrichtungen der Jugendhilfe schlichtweg nicht erlernen.

Wir gehen davon aus, dass Kinder und Jugendliche durch belastende gesellschaftliche Umbrüche, insbesondere durch den Verlust von verbindlichen und verbindenden Normen oft nicht mehr wissen, wie förderliches Sozialverhalten konkret ausschaut. Diese Kinder sind außerhalb der Reichweite von Erziehung (Elternhaus, Schule, Beratungsstellen etc.) und unterhalb des Wirkungsbereiches psychotherapeutischer Verfahren. Die Einflussnahme ist äußert begrenzt.

Sie erfahren oftmals Kränkungen, Zurückweisungen, Erniedrigungen, beharrliches Schweigen, Demütigungen oder offenen Hass, die ähnlich schmerzhaft erlebt werden wie körperliche Gewalt. K.H. Brisch nannte diese elterlichen Entgleisungen die „unsichtbare Keule“.

„Nicht beantwortet zu werden, ist besonders schmerzlich.“
(K. H. Brisch, Uniklinik München)

„Wer so etwas immer wieder erlebt hat, zeigt später unsicheres Bindungsverhalten.“
(Shelley Riggs, Universität Denton/Texas

Wer immer wieder Kränkung und Missachtung erlebt, dessen körpereigene Stressachse ist dauerhaft hochreguliert. „Steht ständig unter Strom“.
Hormone wie Cortisol werden vermehrt ausgeschüttet, und macht anfällig für diverse Leiden. Die Schmerzschwelle ist herabgesetzt und die Immunabwehr geschwächt.
„Ist die Stressachse dauerhaft aktiviert, schädigt das den Hippocampus“.
(Sabine Aust, Charité Berlin).

Diese für die Gefühlsverarbeitung wichtigste Struktur im Gehirn bleibt kleiner. Sie wird stark beeinträchtigt, wenn Kinder früh Kränkungen und Erniedrigungen erleben. Die emotionale und kognitive Entwicklung verläuft langsamer.

Was sind taugliche Tugenden? Was sind untaugliche Tugenden?
Das Geheimnis eines guten Charakters ist das „Gewöhntsein“ an die richtigen praktischen Handlungen!“ Das kann von den Eltern nur mittels einer sicheren Führung vermittelt werden.
Erweisen sich Mutter und Vater als „unsichere Führung“, so wird den Kindern nicht vermittelt, dass die Führung und Verantwortung bei einem kompetenten, wohlwollenden und starken Erwachsenen liegen.

Diese Kinder gehen, obwohl sie wenig statuskompetent, instinktiv in die Führungsrolle und versuchen zunehmend ihren Eltern und anderen Erwachsenen auf Augenhöhe zu begegnen. Unter Gleichaltrigen gehen sie ebenso instinktiv in den überlegenen Status. Sie nehmen eine Statusposition ein, die ihnen nicht zusteht. Auf Dauer erweist sich diese Positionierung als fremd- und selbstschädigend. Es sind die Kinder, die nur einmal zu einem Kindergeburtstag eingeladen werden.

Unter v. g. Lebensbedingungen werden die eigenen Bedürfnisse nach Anerkennung und Aufmerksamkeit kaum noch respektiert und erfüllt. Die kindliche Selbstwertregulation (Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz) wird gestört.
Wenn eine Person durch nicht andere nicht mehr ausreichend anerkannt wird, erodiert die zentrale Norm der Unantastbarkeit und Unversehrtheit.
Die Anerkennung von Personen und der Respekt vor Normen stabilisieren sich gegenseitig.

Die zentralen Fragen lauten:

  • Wer braucht mich?
  • Fühle ich mich gerecht behandelt?
  • Bin ich gleichwertig?
  • Werden meine Gefühle respektiert

Wenn Kinder und Jugendliche auf die o.g. Fragen keine Antwort finden, kommt häufig ein verdeckter Eskalationsprozess in Gang.
Sie entwickeln in diesem Eskalationsprozess eine

Anerkennungssucht!!!
mit dem Wunsch nach Überlegenheit.
Die jungen Menschen wollen Hochstatus!

Rache spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle und erscheint nur als vordergründiges Motiv (Vgl. W. Heitmeyer in DIE ZEIT Nr. 19/2002 Süchtig nach Anerkennung).

Pädagogen müssen daran erinnert werden, dass das Verhalten der Kinder und Jugendlichen in den seltensten Fällen persönlich gemeint ist. Das provozierende, beleidigende Kind/der Jugendliche hat ernst zu nehmende Gründe für den Statuskamp den er mit uns ganz dringend führen muss (vgl. Maike Plath, BELTZ, 2015, S. 86).

Mit diesem Wissen und der daraus resultierenden Haltung und Einstellung können wir die „Konfliktangebote“ unserer Kinder und Jugendlichen mit ihren Regel- und Grenzverletzungen deutlich gelassener angehen.
Die Schülerinnen und Schüler, die dringend und intensiv Statuskämpfe mit den Lehrkräften ausfechten, hoffen auf Pädagogen, die keine Verlierer oder Opfer sind.
Sie brauchen einen Erwachsenen den sie bewundern und gleichzeitig bekämpfen können und der ihnen somit Orientierung und einen „sicheren Hafen“ bietet.

Die fürsorgliche Hierarchie ist im Konflikt eng mit der Statuskompetenz des Erziehenden verwoben.
Das Statuslevel mit dem ein Kind/Jugendlicher sein Konfliktangebot eröffnet, muss von den Eltern, der Erzieher*in, dem Sozialarbeiter*in, der Lehrkraft in adäquater Art und Weise beantwortet werden.
Vor allem sollten Erziehende im Konflikt „antiseptisch“ bleiben.

Die Schülerinnen und Schüler die dringend und intensiv Statuskämpfe mit den Lehrkräften ausfechten, hoffen auf Pädagogen, die keine Verlierer oder Opfer sind.
Sie brauchen einen Erwachsenen, den sie bewundern und gleichzeitig bekämpfen können und der ihnen somit Orientierung und einen „sicheren Hafen“ bietet.
(vgl. Maike Plath, Spielend unterrichten, BELTZ, 2015, S. 87)

Die Zeichnung verdeutlicht in der rechten Statussäule (Erziehende), dass die optimale Reaktion im grünen Bereich, also im höheren Status (als der Jugendliche – linke Statussäule) erfolgen muss.
Beim Flehen, Fragen, Bitten befindet sich der Pädagoge im tiefen Status.
Beim Befehl greift er in der Interventionstreppe viel zu hoch und schießt mit „Kanonen auf Spatzen“. Die optimale Konfliktlösung in der fürsorglichen Hierarchie liegt im grünen Bereich der Statussäule, gepaart mit einer angemessenen Beharrlichkeit zur Durchsetzung.

Die Dynamik der Statuswippe
Wer die kommunikative Statuswippe bewusst betritt, lässt sich auf das Spiel um Dominanz und Unterordnung ein. Jemand ist oben, eine andere Person ist unten. Das kann je nach Beziehungsgestaltung durchaus ein überdauernder Zustand sein. Besteht eine Wechseldynamik, so ist mal der eine oben und der andere unten. Die Statusveränderungen (kommunikative Statuswippe) entstehen durch vier mögliche Verhaltensmuster.

  • Fremdherabsetzung
  • Selbsterhöhung
  • Selbstherabsetzung
  • Fremderhöhung

Statusspiele auf der Ebene der Gleichen (zwischen Partnern, Kollegen oder Freunden) haben oftmals eine gewisse Situationskomik. Zwischen Jugendlichen entsteht daraus nur selten Komik.
Ein Schüler erhält eine gute Zeugnisnote. Einige fühlen sich im eigenen Status herabgesetzt. Sie denken: “Das hat er nur durch schleimen und anbiedern geschafft”.
Erhält der Jugendliche hingegen eine schlechte Note, wird er bemitleidet oder mit Schadenfreude bedacht, womit ebenfalls der eigene Status erhöht wird.
Kinder und Jugendliche erlangten in den letzten Jahren Hochstatus, indem sie in die Klasse der Handybesitzer aufstiegen. Das neueste Handy vermittelte den Eindruck von Wichtigkeit, medialer und kommunikativer Kompetenz und von der Notwendigkeit erreichbar sein zu müssen.
In der Erwachsenenwelt beginnt sich dieses Hochstatusbild zu verändern. Wirklichen Hochstatus hat die Person, die es sich leisten kann, nicht immer und überall per Handy erreichbar sein müssen.

Selbst wenn keine direkte Interaktion stattfindet, fürchten junge Leute oftmals in ihren Status. In früheren Jahren ließen sich viele nur ungern fotografieren. Wenn eine Kamera auf eine Person gerichtet wird, besteht die Gefahr, dass der (Tief) Status aufgedeckt wird. Dies gilt für Portraits wie für Gruppenfotos. Film- und Tonbandaufnahmen entlarven uns. Gestik, Mimik, Stimme wird sichtbar, ohne dass wir in unserem Körper stecken. Aus diesem Grunde sind so viele Fotos gestellt. Der Status gerät dabei nicht in Gefahr. Allerdings verändert sich die Motivation der Kinder und Jugendlichen vor allem durch die Smartphone-Kultur. Sie inszenieren sich mittels Handy nach eigenem Belieben.

Das Bedürfnis nach Hochstatus, das allen Menschen innewohnt, resultiert aus den Lebenserfahrungen. Creighton & Kivel (1993) haben Tiefstatuserfahrungen von Kindern und Jugendlichen unter dem Stichwort Adultismus beschrieben. Eltern, Lehrer und Sozialhelfer beherrschen Adultismus.
Adultismus ist Tiefstatuszuordnung (Fremdherabsetzung) mit schnellen Erklärungen.

  • „Nie machst Du…. oder immer machst Du.“
  • “Aus Dir wird nie etwas.”
  • „Besser kannst Du es wohl nicht?“
  • „Jetzt nicht, ich habe keine Zeit!“
  • „Du bist noch zu jung, um das zu verstehen!“
  • „Tu endlich was ich sage!“
  • „Warum? – Weil ich es gesagt habe!“
  • „Hör zu wenn ich mit dir rede!“
  • „Wie oft habe ich Dir schon gesagt, dass Du…“



Tiefstatuserfahrungen
ziehen sich wie ein roter Faden durch die Lebenswelt vieler junger Menschen. „Mein Leben könnte so schon sein, wenn es dich nicht gäbe!“
Sie wurden zum prägenden Merkmal der Lebensgeschichte. Diese Menschen nehmen wenig Raum ein, egal ob sie sitzen, gehen oder stehen. Sie unterbrechen häufig den Blickkontakt oder meiden ihn sogar. Eine Sonderrolle nehmen hier die männlichen jugendlichen Körperverletzer ein. Sie haben das Tiefstatusspiel scheinbar zu ihren Gunsten verändert und präsentieren sich äußerlich im Hochstatus, innerlich sind sie jedoch im Tiefstatus. Sie arbeiten auf der Grundlage einer falschen Hypothese und vermitteln durch Inkongruenz eine hohes Konfliktpotenzial.
Objektiv betrachtet sind sie im Tiefstatus, glauben jedoch im Hochstatus zu sein, weil ihnen im Alltag von den verängstigten Mitschülern dies signalisiert wird. Mit Körpersprache und Lautstärke (längerer Blickkontakt, breiter Stand) signalisieren sie plakativ, „ich bin wer“.

Frauen werden in der Werbung häufig mit Tiefstatusgesten dargestellt. Die Blicke der Modelle richten sich auf Plakaten und in Werbefilmen meistens von unten nach oben. Sie nehmen wenig Raum ein, weil sie die Beine häufig gekreuzt haben. Im Sitzen liegen die Oberschenkel eng aneinander. Der Kopf liegt leicht schief, eine Hand schiebt das Haar hinter das Ohr.

Junge Menschen wollen, wie Erwachsene auch, einen hohen Status möglichst permanent innehaben. Sie wollen geachtet, geehrt und respektiert werden. Ständig im Hochstatus zu sein, ist jedoch in unserem gesellschaftlichen Alltag auf Grund der Rollenvielfalt unmöglich und so lautet die Aufgabe für den Jugendlichen:
Werde Experte für Statusspiele und spiele im jeweiligen Kontext den richtigen (angemessenen) Status.

Sie müssen lernen mit der Mehrdeutigkeit und der Ambivalenz von Rollen klar zu kommen. Ambiguitätstoleranz als Fähigkeit die Mehrdeutigkeit von Situationen und Handlungen wahrzunehmen ohne darauf aggressiv zu reagieren. Doch genau hier haben gewaltbereite Kinder und Jugendliche ein großes Defizit.
Mangels relevanter Hochstatuserfahrungen in ihrem bisherigen Leben, “genehmigen” sie sich ihren Hochstatus in destruktiver Form im Spiel auf der Wippe, indem sie ihrem Gegenüber öffentlich Tiefstatus (Fremdherabsetzung) zuordnen. “Ich erhöhe meinen Status, indem ich Deinen herunterschraube”. Verächtlichmachung und Herabwürdigung wegen Äußerlichkeiten (Aussehen, outfit, Herkunft) sind die Mittel. Die Beleidigung mittels sexistischer Anmache zwischen Kindern und Jugendlichen ist nichts anderes. Zusätzlich zielt diese Art der Beleidigung, so glauben zumindest die meisten Opfer der Provokation, auch noch auf den Status von Familienmitgliedern ab. “Die Ehre der Mutter sei gefährdet”. Tatsächlich geht es dem Provokateur um Ranking und Fremdherabsetzung des Opfers.

Im Moment der Fremdherabsetzung analysieren Jugendliche die belastende und schwierige Situation als eindimensionale „Wenn – dann“ Konstellation.
“Wer Hurensohn zu mir sagt, der kriegt was aufs Maul”. “Was guckst Du – willst du Blickfick – willst Du was auf die Fresse”?

Je gravierender und anhaltender die Tiefstatuserfahrungen Jugendlicher waren, umso schwieriger sind für sie die Auflösung der Eindimensionalität und die Abkehr von den ‘Wenn-dann-Situationen’.
In Jugendgruppen und Schulklassen verhindert das Statusspiel auf der Wippe die Zusammenarbeit und schafft ein gestörtes soziales Klima. In manchen Schulklassen drängt sich zu Beginn eines Coolness-Trainings der Eindruck auf, dass nicht die geringste Hoffnung besteht, die Klasse jemals mit den Grundhaltungen unserer Arbeit (Teamgeist, Lobkultur, Respekt, Humor, Konfrontation) zu infizieren, weil jedes Mitglied der Gruppe den Status des Anderen angreift, und zwar offen und unverhohlen. Manchmal passt das Bild des Haifischbeckens oder der Löwenmeute, die sich um die Beute schlagen.
Fast alle Klassenmitglieder versuchen zwanghaft ihren Status zu erhöhen, indem sie die Technik der Fremdherabsetzung nutzen. Im Ergebnis befinden sich schließlich alle im Tiefstatus.

Das erinnert an einen Krabbenkorb. Ein Krabbenkorb hat keinen Deckel. Die Krabben versuchen einzeln nach oben zu klettern, schaffen es jedoch nicht, weil jede Krabbe immer wieder von anderen heruntergezogen wird.

Zurück zum Gladiator in Rom. Anhand der Szenen in der Arena ist gut zu erkennen, dass der Hochstatus des Kaisers nicht automatisch Hochstatus bedeutet. Ebenso ist der Tiefstatus des Gladiators nicht zwangsläufig Tiefstatus
Die Statuszustände werden nach innerem und äußerem Status differenziert.

Neben den Statuspositionen Hoch- und Tiefstatus, gibt es vier Statuszustände.

Innen hoch – Außen tief
Diese Menschen sind eher charismatisch. Sie haben es nicht nötig, den Hochstatus permanent zu präsentieren. Sie sind durchsetzungsfähig, haben klare Ziele, verfolgen diese aber nicht blindlings und unreflektiert. Sie agieren klug und wohlwollend. In wichtigen Momenten können sie problemlos aus dem Tiefstatus in den Hochstatus wechseln. Vorgesetzte die sich so verhalten sind allgemein anerkannt, respektiert und beliebt. Unter jungen Leuten in Gruppen und Schulklassen sind diese Schüler die wirklichen gruppeneigenen Führungspersonen (Klassensprecher). Sie geben Sicherheit, lassen andere „so sein“, weil sie sich zurücknehmen können.
Sie bekommen vor allem Respekt und Sympathie.

Innen hoch – Außen hoch
Wer den doppelten Hochstatus lebt, stellt sich und sein Handeln nicht in Frage. Es ist überaus deutlich wer das Sagen hat. Diese Menschen bekommen Respekt und Autorität, verlieren jedoch an Sympathie. In Krisenzeiten braucht man sie als Führungskräfte.
Chefärzte in Kliniken die begleitet von Heerscharen von Untergebenen in Patientenzimmer einfallen, nur wenig reden und kurze und knappe Anweisungen geben, sind das Beispiel schlecht hin für Innen und Außen Hochstatus. Allein der Höhenunterschied zwischen dem liegenden Patienten und dem Chefarzt dokumentiert den Status.
In Freundeskreisen wird dieser Statustyp häufig als anstrengend empfunden. Wer will schon in seiner Freizeit gegenüber anderen ständig im Tiefstatus sein oder sich permanent im Status messen.
Die Menschen im doppelten Hochstatus bekommen vor allem Respekt, jedoch wenig Sympathie.

Innen tief – Außen hoch
Wer nach Außen Hochstatus-Muster sendet, will Durchsetzungsfähigkeit vermitteln. Ist er gleichzeitig im Inneren im Tiefstatus, erlebt er sich insgeheim als machtlos. Dies wird durch Arroganz bzw. Drohgebärden kaschiert. Der äußere Hochstatus wird als Schutzschild eingesetzt. Jugendliche Gewalttäter treten so auf. Sie nehmen viel Raum ein, verbreitern ihren Körper durch entsprechende Arm- und Beinstellung. Sie dominieren andere Menschen durch Drohverhalten. Diese Inkongruenz beinhaltet viel Konfliktpotenzial.
Sie bekommen weder Respekt noch Sympathie. Sie werden als „Bluffer“ entlarvt; schlimmstenfalls verbreiten sie Angst.

Innen tief – Außen tief
Der doppelte Tiefstatus wird oft als sympathisch empfunden. Diese Menschen sind hilfsbereit und haben eine Disposition zur Unterwürfigkeit. In diesem Statuszustand ist es ziemlich schwierig respektiert und ernst genommen zu werden. Ist die Unterwürfigkeit zu stark erhalten sie möglicherweise auch Verachtung.
Diese Menschen bekommen keinen Respekt, ein wenig Sympathie und möglicherweise Mitleid und Verachtung.

Der Detectiv Colombo spielte in der gleichnamigen amerikanischen Krimiserie den ermittelnden Beamten mit innen hoch und außen tief. Seine Verdächtigen nahmen ihn zusätzlich noch leicht verstört und ratlos wahr. Er wurde nicht ernst genommen. Im richtigen Moment wechselt er in den Statuszustand innen hoch und außen hoch und überführt die Täter. Damit kein Missverständnis aufkommt, wir sollten von den Schülern ernst genommen werden. Verwirrtheit und permanente Ratlosigkeit trägt im Unterricht und in der Jugendgruppe nicht zu einer einvernehmlichen Gemeinschaft bei. Aber Momente des Zweifels, der Unwissenheit und das Eingeständnis von Fehlern sollten wir uns als Pädagoge schon zubilligen. Sie machen uns sympathischer.
Die Dirigenten der großen Orchester von Weltruf (Herbert von Karajan, Simon Rattle, Claudio Abbado, Wilhelm Furtwängler u. a.) sind bzw. waren Meister der Fremderhöhung. Mit Körpersprache, Mimik, Gestik und Taktstock gelingt es Ihnen die Orchester zu führen und zu Höchstleistungen zu bringen. Das gelingt, weil Spitzenmusiker am Werk sind, weil das Orchester hart gearbeitet hat und weil der Dirigent allen Musikern zu verstehen gibt, dass sie zu besonderen Leistungen befähigt sind. Fremderhöhung!!!

Das ist unsere Rolle in Schulklasse, in der Gruppenarbeit, im Coolness-Training und im Anti-Aggressivitäts-Training.
Zu Beginn einer Zusammenarbeit im Anti-Aggressivitäts-Training lebt das Trainerteam den Status Innen hoch – Außen Hoch. Die Trainer leben in der Gruppe der Gewalttäter eine steile Hierarchie. Sie bestimmen die wesentlichen Abläufe, Regeln und Sanktionen. Partizipation ist zu diesem Zeitpunkt nicht angesagt. Es wird eine klare Führung praktiziert, die dennoch wohlwollend, autoritativ ist. Erst wenn das Gruppenleben in gesicherten kommunikativen Bahnen verläuft, wechseln die Trainer langsam in den Status Innen hoch – Außen tief. In diesem Statuszustand wird die Hierarchie etwas flacher. Partizipative Momente gewinnen an Bedeutung, ohne dass die Hierarchie aufgegeben wird. Wir sind und bleiben Führungskräfte für die jungen Leute, die wiederum lernende Partner sind.

So kann man eine Person mit dem Tiefstatus spielen (vgl. Andersen, M.M. 1996).

  • Eine Person mit niedrigem Status macht sich möglichst klein.
  • Sie versucht möglichst wenig Platz zu beanspruchen und kriecht gern in sich zusammen.
  • Sie sitzt auf der Stuhlkante und berührt vielleicht den Boden nur mit den Zehen.
  • Sie versucht mit ihrem Körper möglichst wenig Raum einzunehmen.
  • Sie will auch nicht zu viel Platz beanspruchen, wenn sie endlich mal das Wort ergreift.
  • Sie spricht schnell um den Leuten nicht die Zeit zu stehlen.
  • Sie spricht nicht zu laut, aber laut genug, dass man sich nicht anstrengen muss um sie zu hören.
  • Sie benutzt häufig Füllworte wie „ich sag mal“ oder „ein stückweit“ oder „halt eben“.
  • Sie steht und sitzt wie auf Nadeln, damit sie immer gleich aus dem Weg gehen kann, wenn jemand anders ihren Platz braucht.
  • Sie versucht alle anderen zufrieden zu stellen.
  • Eine Person mit niedrigem Status macht viele nervöse Übersprungshandlungen und fummelt häufig nervös an sich herum.
  • Eine Person mit niedrigem Status hält keinen Blickkontakt. Sie schaut jemanden an und schaut gleich darauf wieder weg. Vielleicht schaut sie gleich darauf noch einmal, um die Reaktion des anderen auf sie zu sehen, und schaut dann wieder weg.

So kann man eine Person mit dem Hochstatus spielen (vgl. Andersen M.M. 1996).

  • Eine Person mit hohem Status nimmt viel Raum ein.
  • Sie macht sich breit, im Raum, in der Zeit und in der Rede.
  • Sie nimmt sich Zeit – sie spricht so lange sie Lust hat.
  • Sie nimmt an, dass man ihr gerne zuhört.
  • Sie nimmt auch mit ihrem Stimmvolumen viel Platz ein.
  • Sie spricht laut oder ganz leise und fordert, dass alle schweigen, um ihre Worte zu hören.
  • Eine Person mit hohem Status hat genügend Zeit und Ruhe.
  • Sie begeht keine Übersprungshandlungen und fummelt nicht an sich herum.
  • Eine Person mit hohem Status hält Blickkontakt. Wenn sie jemanden anschaut, dann hält sie den Blick und weicht nicht aus, bis sie wohlüberlegt auf etwas anderes schaut.
  • Eine Person mit hohem Status geht wohin sie will und fordert, dass andere ihr aus dem Weg gehen.
  • Sie bewegt sich erst dann, wenn sie es will.
  • Eine Person mit hohem Status gibt Anweisungen und fordert Unterstützung.
  • Ihr Selbstvertrauen und ihre Gelassenheit sind nicht zu überbieten.

Literaturangaben:

Andersen M.M., Theatersport und Improtheater, Impuls/Buschfunk, Planegg 1996

Aust S., Charité Berlin. FAZ, Die unsichtbare Keule 2015

Brisch K. H. Uniklinik München – FAZ, Die unsichtbare Keule 2015

Creighton A. /Kivel, P.: Die Gewalt stoppen, Verlag a. d. Ruhr, Mülheim 1993

Heitmeyer W. Süchtig nach Anerkennung, in DIE ZEIT Nr. 19/2002

Johnstone, K. Improvisation und Theater, Berlin 1993

Johnstone, K., Theaterspiele, Berlin 1996

Jugert, Rehder, Notz, Petermann, FIT FOR LIVE, Juventa, 2001

Münchmeier R. Von den Schwierigkeiten des Aufwachsens. Kind, Jugend und Gesellschaft. Zeitschrift für Jugendschutz 94 (4): 117 – 122, 1994

Plath Maike, Spielend unterrichten, BELTZ, 2015

Rhode, R., Bongartz, R., Meis,S.: Angriff ist die schlechteste Verteidigung, Seminarkonzept, Basta-Bildung, Wuppertal 2001).

Riggs Shelley, Universität Denton/Texas FAZ, Die unsichtbare Keule 2015

Schmitt, T./ Essen, M. STATUSSPIELE, Frankfurt, 2009

www.wikipedia.de.wikipedia.org/wiki/Gladiator

Zeichnungen: Michael Hüter, Karikaturist, 1997 – 2020, Bochum, die Rechte liegen bei R. Gall – Oberhausen-Rhld.“


5 Kommentare zu “Kommunikative Statusspiele auf der Wippe”

  1. Wirklich sehr gelungene Seite, vielen Dank und Gratulation zur sehr guten Information. Ich kann noch das Buch „Statusspiele“ sehr empfehlen.

  2. Hans Peter sagt:

    Der Reiz dieses Ansatz besteht darin, komplexes Beziehungsgeschehen mit einem einfachem Schema zu versehen. Für Pädagogen die eine derartige Reduktion von Lebenswelt benötigen, um Handlungssicherheit zu empfinden, ist dies mit Sicherheit hilfreich.

  3. Michael Most sagt:

    Äußerst interessant und lehrreich. Die non-verbalen Interaktionen haben die Kinder auch/fast nur von den
    Eltern und diese sollten mit ins Coolness-Training, jedenfalls ab und zu.
    MiMo

  4. Anna R. sagt:

    Guten Tag,

    Ich finde den Artikel ebenfalls höchst interessant und wichtig für alle jetzigen und zukünftigen Pädagogen. Allerdings wollte ich Sie auf einen Fehler aufmerksam machen:

    Statt „In der Rolle außen hoch und innen tief können wir charismatisch auftreten.“ müsste es heißen: „In der Rolle außen tief und innen hoch…“.

    Liebe Grüße,

    Anna R.

  5. Nadin Mundin sagt:

    „In der Rolle außen hoch und innen tief können wir charismatisch auftreten. Wir erhalten als Führungskraft Respekt und Sympathie und können so Einfluss ausüben. Hin und wieder ist es sinnvoll deutlich zu machen, dass wir als Pädagogen auch problemlos vom äußeren Tiefstatus in den äußeren Hochstatus wechseln können.“

    Supertoller Artikel. Nur kurz angemerkt, muss es im oben genannten Zitat nicht umgekehrt sein? Außen tief und innen hoch?

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